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Atacamawüste

Januar 2005

Schon vor tausenden Jahren haben Menschen die Atacamawüste durchwandert und auch zum Teil in ihr gewohnt. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wüste sogar sehr belebt aufgrund der zahlreichen Salpeterminen. Heute wird hier vor allem Kupfer gewonnen und auf den weiten Straßen ist relativ viel Verkehr (für eine Wüste viel). Geübt im Radeln in weiten, nahezu unbesiedelten Gegenden dachten wir uns nichts dabei, als wir zu einer knapp einwöchigen Wüstenetappe aufbrachen. Doch die Atacama hat es in sich!

Die Atacamawüste beherbergt viele hohe Berge, sehr zum Leidwesen der Radfahrer. Das berühmte Valle de la Luna, das "Tal des Mondes" ganz in der Nähe von San Pedro de Atacama besuchten wir allerdings in einem Halbtagesausflug mit unbepackten Rädern. Vorne links siehst Du eine Düne auf deren Grat einige Besucher entlanglaufen. Ich machte mir erst Sorgen, daß sie die schöne Form damit zerstören könnten. Doch als wir am Abend mit den Letzten nach Hause gingen, hatte der Wind schon wieder alle Spuren verwischt und eine tadellose neue Kante geformt. (mi)

Die faszinierenden Landschaftsformen im Valle de la Luna wurden durch Erosion (Wind und Wasser) geformt. Das Gestein hier besteht überwiegend aus einem Sand-Salz-Gemisch, so konnten sich sehr filigrane und vielgestaltige Formen herausbilden. Bei Sonnenuntergang treten diese fantastischen Gebilde umso plastischer hervor. (mi)

So hinreißend schön die Atacamawüste an einigen Stellen auch ist, sie kann unglaublich öde sein, wenn man sie durchradelt. Normalerweise inspirieren mich weite, kahle Landschaften sehr, auch Markus hatte auf der Baja California (Mexiko) und in den Hochplateaus der Anden (Peru, Bolivien) viele Ideen. Doch in der Atacamawüste funktionierte das irgendwie nicht, die Ödnis hat uns schließlich nur noch gelangweilt. (ma)

Mitten in der Wüste trafen wir plötzlich auf diesen niedlichen Welpen. Nach ein paar Streicheleinheiten und etwas Wasser wollte er natürlich nur noch bei uns bleiben! Wir schauten uns um: ein paar Bäume weit entfernt, ein paar Ruinen auf der anderen Straßenseite, Wüste weit und breit. Was tun? Hat unser kleiner neue Freund ein Herrchen oder Frauchen, der / die hier irgendwo versteckt wohnt oder ist er hoffnungslos allein in der Wüste? Wir gingen nach längerem Nachdenken davon aus, daß bei den Bäumen noch Wasser, also Leben sein müßte, sonst wären die Bäume längst vertrocknet und ließen das Hundchen zurück. Es stellt wahrscheinlich die einzige Abwechslung und Unterhaltung dar, die sein Besitzer hier draußen hat. Aber der enttäuschte Blick des Kleinen und wie er uns zunächst hinterherlief, das brach mir das Herz! (mi)

"Was ist denn das?" wunderten wir uns, als wir dieses Gewirr von Holzkonstruktionen etwas abseits der Straße auf offener Ebene entdeckten. Erst beim Näherkommen erkannten wir die Gräber. Das Klima der Atacamawüste ist so trocken, daß sich selbst Holz ewig hält. Der Friedhof muß nach den verblichenen Jahreszahlen auf den Kreuzen, knapp 100 Jahre alt sein. Zu dieser Zeit gab es hier viele Salpeterminen und es entstanden mitten im Nirgendwo zahlreiche Wüstendörfer. Das Kindergrab von Rebequita (siehe links) ist sicher noch jüngeren Datums. Es wurde leider wie einige andere aufgebrochen und geplündert. (beide mi)

Das wilde Zelten am Abend machte den anstrengenden Tag in der Wüste nicht wett. Ab mittags wurde es immer so windig, daß das Radeln eine Qual war. Einmal sind wir mit letzter Kraft vor einem Gewitter geflohen, das war sehr knapp gewesen! Soviele Blitze aufeinmal haben wir noch nie im Leben gesehen. Hier draußen ist man ihnen absolut schutzlos ausgeliefert. (mi)

Ausgerechnet auf unseren letzten Kilometern vor Antofagasta hatten wir noch einen Platten. Der Wind war schon wieder so stark geworden, daß er mich fast vom Rad blies und ich wollte nur noch eins: raus aus der Wüste! Ärgerlicherweise war es nicht mal ein gewöhnlicher Platten, sondern ein Produktionsfehler wie Markus später herausfand. Rechts das Plakat wirbt für deutsche Wertarbeit. Frei übersetzt: Wirtschaftskraft durch deutsche Wertarbeit! (beide mi)

Was war das für eine Freude, als wir endlich Antofagasta erreichten und Miguel, den Lehrer wiedertrafen, den wir bei Papa Panda in San Pedro de Atacama kennengelernt hatten! Zu dritt bereiteten wir uns einen kunterbunten köstlichen Salat und hörten dazu seine Janis-Joplin-CDs. Was für eine Wohltat nach der auslaugenden Wüstenetappe! (mi)

Antofagasta ist eigentlich keine besonders attraktive Stadt, doch das Stadtzentrum und vor allem die große Plaza ist sehr hübsch hergerichtet. Beim Anblick dieser herzerfrischenden üppigen Pflanzen stand mein Entschluß fest: ab in den grünen Süden Chiles und zwar so schnell wie möglich! Auch Markus hatte absolut genug Atacamawüste gesehen, so nahmen wir uns die Freiheit und kürzten die restlichen 1000 km mit dem Bus ab. (mi)

Erstellt bei David in Mirande, Frankreich am 20. Mai 2005


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