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Die Hälfte der Kosten für eine Ernährungsberatung
oder sogar mehr trägt die Krankenkasse, wenn bestimmte
Voraussetzungen erfüllt werden. Bei mir waren es meine
zahlreichen Allergien, die unabhängig von der geplanten
Radweltreise eine Beratung sinnvoll machten. Ich habe bei nur zwei
Terminen von etwa einer Stunde Dauer sehr viele kompakte, individuell
abgestimmte Informationen gewonnen. Hier die Essenz in Stichworten:
Die Ernährung bzw. Ernährungsmöglichkeiten auf
einer Radweltreise unterscheiden sich deutlich von der im Alltag zuhause:
- höherer Nährstoff- und Kalorienbedarf
- hoher Wasserverlust bzw. -bedarf
- Mineralien und auch Vitamine werden ausgeschwitzt
- nicht immer ein Supermarkt verfügbar
- kein Kühlschrank, geringere Haltbarkeit
- wenig Platz in den Packtaschen
- Vorräte dürfen nicht viel wiegen
Also alles in allem höhere Ansprüche bei schlechteren
Rahmenbedingungen. Schlappheit, Antriebsschwäche und Hunger
können einem nicht nur den Spaß am Radeln nehmen. Bei
verminderter Konzentrationsfähigkeit (z.B. bei
Flüssigkeitsmangel) steigt auch das Unfallrisiko.
Die Ernährungsberatung konzentrierte sich darauf, welche
Nährstoffe unser Körper braucht und mit welchen
Nahrungsmitteln man sie am besten aufnehmen kann. Auch der
Ernährungsrhythmus, Kraftgetränke, freie Radikale und
exotisches Essen kamen zur Sprache.
Eiweiß
Eine uralte, bereits mehrfach widerlegte Regel besagte, daß Sportler vor
allem sehr viel Eiweiß brauchen und deshalb viel Fleisch essen sollten.
Heute werden Kohlenhydrate als die wichtigste Energiequelle empfohlen
und viele Alternativen zum Fleisch genannt. Die Tips der
Ernährungsberaterin für die Eiweißversorgung:
- Sojamilch u.a. frische Sojaprodukte soweit verfügbar
- Sojakost als Trockenpulver z.B. als Hackfleischersatz (Fertigpackung
mit Gewürzen), bereichert die Nudelmahlzeit optimal, am besten
mit Ei ergänzen
- geschroteter Hafer als Basis für Frischkornbrei zum
Frühstück (enthält neben Eiweiß auch mehrfach
ungesättigte Fettsäuren "Hafer ist ein Supergetreide"), am
besten mit Früchten ergänzen
- Eier (enthält Lecithin, alle Aminosäuren)
- ab und zu Fleisch essen, um den Eisen- und Vitamin B12-Bedarf zu
decken
Kohlenhydrate
Sehr gute Kohlenhydratquellen sind Nudeln, Reis und
Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen, Erbsen, Linsen, Soja). Um die
Kochzeit zu verringern lohnt es sich, am Vortag oder morgens
vorzukochen und einweichen zu lassen. Ein schnellkochender Naturreis ist
z.B. Uncle Ben`s Natur - parboiled.
Weiterhin enthalten viele Kohlenhydrate:
- Polenta mit Gemüsebrühe (Polenta wird aus Mais
hergestellt)
- Powersalat mit Nudeln und kaltem Fleisch (mit Essig wird das Fleisch
konserviert und hält etwas länger)
"Den Traubenzucker können Sie getrost zu Hause lassen!" sagte die
Ernährungsberaterin und erklärte mir den chemischen Aufbau
verschiedener Zuckerquellen. Die schnelle Zuckerversorgung, die sofort
ins Blut geht, ist ungünstig, weil der Körper mit den
drastischen Schwankungen des Blutzuckerspiegels große Arbeit hat und
jedem Leistungshoch ein starkes Leistungstief folgt (Strohfeuer). Man
sollte daher auf einen möglichst konstanten Blutzucker, also eine
gleichbleibend hohe Leistungsfähigkeit achten. Ideal ist morgens ein
reichhaltiges Müsli und tagsüber der Müsliriegel. Zum
Versüßen der Bergetappe ist Schokolade bestens geeignet.
Fett
Auch an Fetten hat der Intensiv-Sportler einen höheren Bedarf. Die
besten Fette enthalten viele mehrfach ungesättigten
Fettsäuren. Diese sind z.B. in vegetarischen Brotaufstrichen mit
Nährhefe enthalten. Fett ist nicht gleich Fett. Am besten sind
kaltgepreßte Öle wie z.B. Sonnenblumenöl (Nicht: Tomy,
Mazola, Becel, Livio, das sind heißraffinierte Öle).
Die Tips für unterwegs:
- Ernußbutter (enthält mehrfach ungesättigte
Fettsäuren)
- Sonnenblumenöl
- Hafer (siehe oben bei Eiweiß)
- für die optimale Ergänzung: Fischölkapseln
Ganz wichtig: das Sonnenblumenöl auf dem Campingkocher nicht
zu heiß werden lassen, da ab ca. 120/130 Grad C krebserregende Stoffe durch
die Verbrennung der ungesättigten Fettsäuren entstehen.
Wenn's raucht: lieber das Fett wegschütten und neues nehmen.
Vitamine und Mineralstoffe
Auch der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen erhöht sich beim
Reiseradeln deutlich, weil durch den Schweiß vieles ausgeschwemmt
wird, was dann dem Körper fehlt. Der Mangel ist deutlich zu
spüren: man fühlt sich wie ausgebrannt, ohne Reserven,
kraftlos.
Besonders Vitamin B1 ist für den Ausdauersport wichtig. Es ist in
Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Schweinefleisch
enthalten. Grundsätzlich sind Hefeerzeugnisse für die
Versorgung mit B-Vitaminen sehr gut geeignet. Für die Reise sehr
praktisch: Hefeerzeugnisse aus der Tube (VITAM). Bierhefe-Tabletten
helfen neben der Nährstoffversorgung gegen Parasiten z.B.
Insekten. Auch Nüsse und Samen (z.B. Leinsamen) sowie Ei
(Lecithin) enthalten Vitamine. In Trockenfrüchten wie z.B.
Aprikosen, Datteln und Feigen sind viele Mineralstoff enthalten, vor allem
Eisen.
Auch wenn es nicht einfach ist: Für die Vitamin und
Mineralstoffversorgung ist es am besten Frischkost zu essen, wann immer
es geht. Dabei auf die Vielfalt achten: Gemüse in allen Ampelfarben
kaufen. Die natürliche Zusammensetzung der Nährstoffe in
Obst, Gemüse, Salat und Kräutern ist besser als jedes noch so
ausgeklügelte Nahrungsergänzungsmittel. Kräuter und
Lauchgemüse (z.B. Zwiebeln, Knoblauch) machen das Essen nicht
nur würziger, sondern haben zudem eine verdauungsanregende,
antimikrobielle Wirkung.
Das Gemüse sollte nicht immer gekocht werden, weil durch die
Hitze viele Nährstoffe verloren gehen. Rohes Gemüse kann
man prima mit Dipsaucen z.B. Kräuterquark essen.
Getränke
Die australischen Ureinwohner mögen unsere Sucht nach Wasser
sonderbar finden, für uns Nicht-Wüstenbewohner und vor
allem die Sportler gilt: trinken, trinken, trinken. Sämtliche
Körperfunktionen werden durch Flüssigkeitsmangel
beeinträchtigt, auch die Konzentrationsfähigkeit kann ganz
erheblich darunter leiden, selbst wenn gerade kein Durst verspürt
wird. Im Reisegepäck sollte immer genügend
Wasserbehälter, ein Wasserfilter und ggf. Wasserreinigungstabletten
(z.B. Mikropur) enthalten sein.
Aus der Sicht der Ernährungsberatung werden folgende
Kraftgetränke empfohlen:
- Trinkjoghurt, am besten mit "Molat"-Pulver (ein natürliches
Nahrungsergänzungsmittel), Haferflocken und zerdrückter
Banane
- Naturjoghurt mit Orangensaft gemischt
- Apfelsaftschorle (das beste isotonische Getränk überhaupt,
da reicht kein anderes, noch so ausgeklügeltes
Sportlergetränk dran!!! Siehe unter
www.ernaehrung.de/tipps/sport)
Wer ab und zu Lust auf Alkohol hat: Rotwein ist von allen Alkoholsorten
der Gesündeste.
Bindung freier Radikale
Die freien Radikale, die den Prozeß der Alterung beschleunigen, werden
beim Leistungssport in erhöhtem Maße vom Körper
produziert. Zum "Einfangen" empfiehlt die Ernährungsberaterin
folgende Mittel:
- Lycopin: in gekochten Tomaten
- Vitamin A: in Möhren, Paprika, Spinat, Aprikosen,
Butter, Käse, Eiern, Fleisch
- Vitamin C: in allen Obst- und Gemüsesorten enthalten (besonders in
Broccoli, Paprika); die Acerola-Frucht hat den höchsten Vitamin-C-Gehalt.
- Vitamin E: in Weizenkeimen, Getreideprodukten, Leinsaat,
Sonnenblumenkernen, Nüssen
- Zink: in fast jedem Getreide, Milchprodukten, Schalentieren (Austern!)
- Selen: in Weizenkeimen, Fleisch, Fisch, Hühnerei
Wat de Buur nit kennt ...
Auch wenn es mitunter ganz schön seltsam aussieht das Essen in
fremden Kulturen, solange die hygienischen Voraussetzungen stimmen,
kann man eigentlich alles mal probieren. Vieles, was uns heute
selbstverständlich ist, wie die Kartoffel, der Mais und die Paprika
stammt ursprünglich aus fernen Ländern. Die
Ernährungsberaterin empfiehlt südamerikanisches Getreide
wie Amaranth, Quinoa und die Hülsenfrucht Andenlupine. "Amaranth und Quinoa enthalten
besondere Aminosäuren, die unser einheimisches Getreide nicht hat!"
schwärmt sie.
Die Weltumradlerin Elena Erat meinte, daß gebackene Meerschweinchen
überraschend gut schmecken, warum nicht?
Rhythmus
Nicht nur den Bürohengsten, sondern auch den Sportlern wird
empfohlen, lieber mehrere kleine Mahlzeiten auf den Tag zu verteilen und
auf ein gutes Mittagessen zu achten, als abends erst voll zuzuschlagen.
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat das alte Sprichwort
"esse morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends
wie ein Bettelmann" noch immer Gültigkeit. Neueste
Forschungsergebnisse bringen immer neue Belege dafür, daß
üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen nicht gut für den
Körper sind.
Für einen guten Start in den Radreisetag wird Müsli mit
Nüssen und Früchten bzw. Trockenfrüchten
empfohlen, mittags ein Nudelgericht mit viel Power (s.o.) und abends eher
ein kleiner Snack. Am Ende des Tages, wenn das Zelt aufgebaut ist,
schmecken besonders gut Stockbrot und Folienkartoffeln vom Lagerfeuer,
dazu der eine oder andere Schluck Rotwein, hmmm.
Lebensmittelallergien
Im Deutschen Ernährungsberatungs- und informationsnetz
(DEBInet) sind sehr übersichtlich Empfehlungen für
Allergiker zusammengestellt worden Hier einige Stichworte daraus:
- besser selber kochen als Fertigmahlzeiten mit allen möglichen
Zusatzstoffen essen
- Einzelne Gewürze den Gewürzmischungen vorziehen
- Vollwertige, vielseitige Ernährung, häufiger Wechsel der
Grundnahrungsmittel
- statt einer "Verbotsliste" besser eine "Postiv- bzw. Erlaubtlisten"
aufstellen
- Individuelle Allergien berücksichtigen, eine allgemeine
"Allergiediät" gibt es nicht
Erfahrungsgemäß gehen die Allergien insgesamt bei einem
längeren Auslandsaufenthalt deutlich zurück. Die Wirkung
hält auch einige Jahre nach der Rückkehr in den normalen
Alltag noch an.
Weitere Informationen siehe unter
www.ernaehrung.de/tipps/nahrungsmittelallergien.
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